ORNAH-MENTAL Rezensionen:

 

Ornah-Mental Excursions Excursions- VÖ: 01.05. 2013 / AmygdaLand Music / gterma

 

Ein neues Ornah-Mental-Album lässt sich mit einer Wundertüte vergleichen: Niemand weiß, was ihn erwartet, aber das Ergebnis überrascht immer. Nach Stippvisiten bei den Mayas und den Heiligtümern Ägyptens setzen die Musiker die Reise nun in Indien fort. Schon nach wenigen Minuten wird klar, dass es sich um das bislang beste Album des Projekts von Dirk Schlömer und Carsten Agthe handelt, denn sie nehmen den experimentellen Geist von Bands wie Embryo, Popol Vuh oder Tri Atma als Grundlage, von der aus sie ihre hoch individuellen Klangwelten kreieren. Düsterer und transzendentaler Psych ("Tagore"), eine sehr lange Nummer, von dem fantastischen Sitar-Mann Timothy Campling veredelt, die trotz der sehr entspannten Grundstimmung den Hörer immer wieder anregt ("Raga Offering") und Ethno-Ambient, der von Mix aus Naturinstrumenten und Loops lebt ("Excursions"), begeistern nicht nur aufgrund der Musik, sondern auch wegen des sehr warmem und beinahe schon kuscheligen Sounds. Also – warum den alten Ethno-Krautrocktagen nachweinen, wenn aktuelle Gruppen das in den Siebzigern begonnene Werk weiterführen und – das ist besonders wichtig – auch in neue Dimensionen überleiten? (Amygdaland/Just For Kicks)

Schellack 09/2013 / GoodTimes 5/2013 PDF >>

 

Eclipsed Jubiläumsausgabe 05/2013 Review >>

 

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Excursions ist ein meditatives Album, das sich dem Gedenken an Tagore (Rabindranath Thakur), dem großen indisch-bengalischen Dichter, Maler und Philosophen widmet, der 1913 den Nobelpreis für Literatur erhielt. Tagore engagierte sich in der hinduistischen Reformbewegung, in der bereits sein Vater aktiv war, für einen modernen Hinduismus der u.a. gegen das Kastendenken, die Praxis der Witwenverbrennungen und für ein freieres Denken im Hinduismus eintrat. Das Album ist zwar nicht explizit Tagore gewidmet, aber durch die Zitate im Booklet, den Songtitel „Tagore“ und die sehr indisch bestimmte Instrumentierung ist der Bezug offensichtlich.

Das Meditative dieses Albums passt sehr gut in das bisherige Schaffen von Ornah-Mental, vertieft aber deutlich den ruhigeren Aspekt der Musik des Projektes um Dirk Schlömer und Carsten Agthe. Die Musik umfließt den Hörer zugleich erdig im Tabla-Rhythmus wie sphärisch durch den Einsatz von Synthies, Sitar und dem verwandten Saiteninstrument Dilruba. Das Album verschmilzt dabei traditionelle Klänge äußerst organisch mit moderner Elektronik.

Für den westlichen Hörer sind haftenbleibende Melodiebögen nur schwer erkennbar; es ist mehr die inspirierende Gesamtwirkung der verinnerlichten Musik, die in Erinnerung bleibt. Die Unschärfe und Surrealität des Covers in seinen undefinierbaren warmen bräunlichen Farbtönen und Formen entspricht dabei adäquat dem Wesen des zu Hörenden.

Ornah-Mental ist mit „Excursions“ ein absolut schlüssiges Album gelungen, das zur Meditation über das Werk Tagores und indische Spiritualität einlädt.

Christian Rhode http://www.babyblaue-seiten.de

 

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Ornah-Mental The Maya Incident The Maya Incident VÖ: 09/09/11 / Herzberg Verlag / Rough Trade

Die fünfte CD von Ornah-Mental widmet sich der alten Prophezeiung der Mayas und beschreibt musikalisch das Ende des Maya- Kalenders. Dabei liefert die Band um Dirk Schlömer geschlossenstes Werk ab. Die Stücke sind durch eine treibende Dynamik gekennzeichnet, die dem Thema eines vermeintlichen Weltunterganges, besser der Erneuerung der Welt sehr gut gerecht wird. Ornah-Mental greift in der musikalischen Umsetzung auf ethnische und Weltmusikelemente zurück, die gekonnt und gelungen mit einem rockigen Grundgerüst verbunden werden und versetzt den Hörer in die musikalische Welt Mittelamerikas. Speziell die längeren Stücke zwischen knapp fünf und zehn Minuten laden zum Zuhören ein. Durch die besonders markanten Gitarreneinsätze (vor allem im zweiten und sechsten Stück, nämlich „Senior Underworld“ sowie „Control of the Whole“) schuf die Band Stücke, die sich durchaus einen Platz im Gedächtnis des Zuhörers verdient haben. Ich finde die CD auch nach dem mindestens zwölften Hören spannend und gelungen. Es kann sich also nicht um den auch musikalischen Untergang sondern nur um eine ansprechende Fortsetzung der guten Dinge auf dieser Welt handeln. Bert

Schellack 10/2011 PDF >>

 

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eclipsed Okt 2011 Albumrezension PDF >>

 

eclipsed Okt 2011 Artikel PDF >>

 

GoodTimes 5/11 PDF >>

 

 

Heliopolis- VÖ: 08.05.2009, Herzberg Verlag

 

Die Reise geht weiter

In Zeiten von Krisen flüchten die Menschen in Bereiche des Unerklärlichen, wie, um eben darin Schutz und Geborgenheit vor Dingen zu finden, die sie schon längst nicht mehr erklären können. Oder aber, wie um sich zu vergewissern, dass es irgendwo dort draußen eine Macht gibt, welche die Dinge, die unsere Welt bewegen, vollkommen kalt lässt. Who cares! Nun ist es dann doch nicht so, dass sich Ornah-Mental auf ihrem vierten Album bewusst eines Themas, nämlich dem der geheimnisumwitterten Ägyptologie, gewidmet haben, weil die Zeichen der Zeit diesbezüglich günstig stehen sondern weil es Mastermind Dirk Schlömer im Herbst 2007 nach Kairo verschlug. Und hier tauchte der Musiker tief in die Welten von Heliopolis, der Pyramiden und ägyptischen Götter ein, die sowieso mehr Fragen als Antworten liefern. Dementsprechend könnte „Heliopolis“, welches, obwohl es bis dahin das rockigste Album des mittlerweile zur Band gereiften Projekts ist, in Habitus, Thematik und Sound vielleicht zum „Dark Side Of The Moon“ des neuen Jahrtausends geraten. Und das liegt nicht nur an den Pyramiden, die das Albumcover zieren. Oriental-Space-Dub-Rock heißt die Wunderwaffe, mit welcher Ornah-Mental auf diese Weise sicherlich musikalisches Neuland betritt. Crisis? What Crisis?

SG: Außergewöhnlich ist es schon, dass nun schon zum zweiten Mal Inspirationen und Eindrücken einer Reise die Basis für ein Album liefern. Nach „Take Time Out“, wo es dich auf die iberische Halbinsel verschlagen hatte, kommt nun „Heliopolis“, dem ein Trip nach Ägypten zugrunde liegt. Wie lief es hier mit der Ideenfindung konkret? Liegen hier zufällige oder absichtliche Inspirationen zugrunde?

Dirk Schlömer: Ja, es erscheint möglicherweise wie ein Plan, dass ich in so unterschiedlichen und gleichzeitig kraftvollen Kulturen wie der katalanischen und jetzt, in Kairo der ägyptischen, Inspirationen für mein Komponieren sammeln durfte. Allein, es hat sich alles wie von selbst ergeben. Weder habe ich damals vor „Take Time Out“ geahnt, dass ich ein dreiwöchiges Stipendium mit allem Drum und Dran in einem kleinen Bergdorf haben würde, um dort zu machen, was mir in den Sinn kommt. Noch viel weniger war mit der Anfrage aus Kairo zu rechnen und dass ich als Sounddesigner an einem Independent- Film mitwirken sollte und hier, zusammen mit meiner Gefährtin Martina, die wiederum als Kamerafrau engagiert war, 6 Wochen ein Apartment auf der Nil-Insel Zamalek hatte. Wie sagt man so schön: Es war ein Traum, ein orientalischer noch dazu, wo ja so viele Quellen der Trance-Musik zu finden sind! Als wir zurückkamen, das war Weihnachten 2007, war klar, dass das nächste Ornah-Mental-Album in Ägypten spielen würde. Allerdings hatte ich zunächst ein Konzept-Album vor Ohren, das sich ausschließlich mit der altägyptischen Mythologie beschäftigen sollte, schließlich bin ich bekennender Pyramiden- Freak. Aber so nach und nach wurde mir anhand der Recordings, die ich unterwegs gemacht hatte, klar, dass der Kontrast zwischen dem alten, mystischen und dem jungen, weltlichen Ägypten, dem Masr-al-Gedida - so heißt auch der Film im Original, im Englischen dann Heliopolis, viel spannender ist. Die Ideenfindung war also ein etwas längerer Prozess. Die Reise geht immer weiter!


SG: Hier tauchst du dann auch wirklich tief in die ägyptische Mythologie hinab. Passiert das auf wissenschaftlichen oder doch eher künstlerischen Vorraussetzungen.

Dirk Schlömer: Natürlich sind das bei einem Musiker letzten Endes doch immer künstlerische Überlegungen, die den Ausschlag geben. Reizvoll war es aber auf jeden Fall für mich, das Wissen, das ich durch meine Recherchen rund um das Thema Gizeh/Pyramiden oder auch Schöpfungs-Mythos der ägyptischen Zivilisation gewonnen hab, in den musikalischen Prozess einfließen zu lassen. Wobei ich manchmal auch vor der Größe der Vorlage ein wenig erstarrt bin. Ich glaube aber, dass aus diesem Kampf ein ungewöhnliches Album entstanden ist, welches auch dem geneigten Hörer Einblicke eröffnen kann, die er vielleicht sonst nicht bekommen kann. Noch einmal kurz zur Wissenschaft: Die Herren von der ägyptologischen Zunft würden mir natürlich jegliche Seriosität absprechen, da ich ja andere als ihre eigenen Quellen ernst nehme - selbst meine Heroes Robert Bauval und Graham Hancock, die meiner Einsicht nach einige entscheidende Überlegungen zur Entstehung der Pyramiden sowie auch der Sphinx angestellt haben, werden ja von den Akademikern ignoriert bis geächtet. Das finde ich skandalös und ärgerlich. Heute sollten alle klugen Köpfe interagieren und aus allen Sparten wieder zusammenkommen. Aber ich bin nur ein Künstler, mich fragen sie erst recht nicht! (Lacht)


SG: Wohl noch nie klangen Ornah-Mental so abwechslungsreich und stilistisch breit gefächert, bis hin in Bereiche des ‚Metal’ („Ro-Setau“) und Krautrock („Sternentor“). Kann man hier schon von Dub-Rock sprechen?

Dirk Schlömer: Yeah, Oriental Space-Dub-Rock. Ich bin so happy, diese neuen Kombinationen gefunden zu haben. Das ist wie die Fenster aufreißen und richtig durchlüften!


SG: Woher stammt eigentlich der Chor auf „St. Cyrill“?

Dirk Schlömer: Nun, eine der verblüffenden Erfahrungen in Kairo war, zu sehen, wie viele christliche Kirchen es gibt. Dabei handelt es sich noch nicht einmal ausschließlich um koptische oder, wie man noch hätte vermuten können, orthodoxe Kirchen, sondern auch um, und davon hatte ich zuvor nie gehört, byzantinisch-katholische Gemeinden, wie im Falle von St. Cyrill. Unser Regisseur Ahmad Abdalla hatte diese Location für eine wichtige Szene im Film ausgesucht. Da diese während eines Chorkonzertes stattfinden sollte, haben Martina und ich eine komplette Messe in Bild und Ton mitgeschnitten, als Test. Der Pfarrer, Vater Raffiq und auch der Chorleiter Ehab Wakim waren äußerst freundlich. Es wurde mit großer Inbrunst katholische Inhalte gesungen. Aber auf Arabisch. Gleichzeitig rannten die Kinder und Jugendlichen rein und raus, oder besser von der Empore hoch und runter, was überhaupt niemanden störte. Das hat uns sehr beeindruckt und so gehört dieses sakrale Stück selbstverständlich auch zu „Heliopolis“.


SG: Wie würdest du Ornah-Mental heute definieren – als Projekt oder doch als ‚richtige’ Band?

Dirk Schlömer: Sowohl als auch. Einerseits erkennst Du ja an meinen Erzählungen, dass diese Reiseerfahrungen teilweise sehr persönlich sind und die CD sowie die ganze Konzeption einmal mehr mein Baby ist. Live jedoch ist die aktuelle Besetzung im letzten Jahr zu einer Einheit gereift, hat einen eigenständigen Sound gefunden und dieser Band-Sound ist auch auf einigen Stücken, wie „Ro-Setau“ oder „Sternentor“ deutlich zu hören.


SG: Mit seiner Pyramiden-Symbolik, seinen Moods und seinen Sounds könnte „Heliopolis“ als moderne Inkarnation von Pink Floyds „Dark Side Of The Moon“ gelten. Auch, weil es ein doch sehr Gitarren-orientiertes Album geworden ist. Siehst du dich selbst in dieser Tradition?

Dirk Schlömer: Eine schönere Frage hättest Du mir eigentlich nicht stellen können. Pink Floyd ist natürlich ein wichtiger Teil meiner Prägung und „Dark Side…“ war mein erstes Pink Floyd-Album. Die Verbindung von eingängigen Melodien, langen hypnotischen Passagen, das Klangmalerische der Gitarre, aber auch die wiederholte Verwendung von Field-Recordings, also Geräuschen, Gesprächsfetzen, Außenaufnahmen usw., alles das hat bis heute Bestand und findet sich auch auf „Heliopolis“ wieder. Allerdings sind die musikalischen Ideen auf meinem Mist gewachsen, wie ich stark annehme! Was mich bei der Frage betrübt ist, dass im 3. Millenium so eine Platte in ihrer Wirkung nicht mehr möglich ist. Nicht nur kommerziell ist es aus heutiger Sicht unfassbar, dass „Dark Side Of The Moon“ ich weiß nicht wie viele hundert Wochen in den Billboard-Charts war. Und wer hört denn eine CD heute noch als ganzes Album? Noch dazu mit Freunden zusammen? Diese Schar erscheint mir leider sehr überschaubar. Und so macht man ein solches Album zunehmend für sich selbst. Eben weil man diese Luft atmen möchte. Das hat was Ehrliches, wenn ich so drüber nachdenke, aber auch etwas Autistisches!


SG: Auf einer Veröffentlichung eines Projektes mit Namen Land Of Kush tauchte, wie bei dir auch, ein Track zum Thema ‚Bilocation’ auf. Zufall?

Dirk Schlömer: Die Gretchenfrage! Das ist schon erstaunlich, denn Land of Kush ist ja auch ein sehr alter Name für Nubien, was seit Jahrtausenden ein Teil der ägyptischen Kultur ist. Wie dem auch sei, ‚Bilocation’ ist der Name eines Kapitels im neuen Roman von Thomas Pynchon, „Against the Day“, den ich wirklich bemerkenswert finde. Diese Band hat nun ihrer Debütalbum gleich nach dem Buch benannt und ihre einzelnen Titel nach den Kapiteln. Tolles Buch, tolles Album!


SG: Auch sind dieses Mal eine ganze Anzahl Gastmusiker auf dem Album vertreten. Wie kam das?

Dirk Schlömer: Es freut mich immer wenn ein großartiger Instrumentalist einen Titel mit seiner Ausdruckskraft veredelt, noch dazu, wenn dies auf einer freundschaftlichen Basis geschieht! Peter Sonntag ist sicher einer der herausragenden Bassisten in Deutschland und hat schon vor Jahren auf einem Titel meiner inzwischen aufgelösten Gruppe Das Zeichen gespielt. Markus Reuter ist nicht nur als Touch-Gitarrist allererste Wahl, er hat auch in den letzten beiden Jahren einige wirklich aufregende Sachen als Produzent abgeliefert. Kennen gelernt haben wir uns durch Leander Reininghaus, der ja nun schon seit 2005 zur festen Besetzung gehört. Die beiden sind gelernte Robert Fripp-Schüler, oder, wie es in der Fachsprache heißt, Crafties! Kemal Karaman wiederum ist mein Nachbar in Kreuzberg. Im Ernst, er wohnt direkt unter mir, ist aber nicht nur deshalb mit seiner Saz auf beiden Teilen des Titel-Tracks zu hören. Er ist ebenfalls ein ganz ungewöhnlicher Musiker, hat er sich doch der Pflege und Bewahrung der Musik seiner alewitischen Heimat verschrieben und mit seinem Bruder Methin zusammen schon etliche CD`s veröffentlicht. Vor allem in der Türkei, aber auch international.


SG: Hast du auch schon davon gehört, dass die ägyptisch Regierung erwägt, die Pyramiden als Markenzeichen zu schützen? Damit dürftest du mit einem Cover wie dem zu „Heliopolis“ in Zukunft wohl Probleme bekommen.

Dirk Schlömer: Jaja (lacht). Davon habe ich gehört. Das ist natürlich eine Idee von Zahi Hawass, dem Chef der Behörde für Altertümer, einer der mächtigsten Männer im Lande. Oder auf jeden Fall der mit den meisten Fernseh-Interviews. Ich nenne ihn gerne die Rache Ägyptens für den Kolonialismus.


SG: Hast du die Samples, die auf dem Album zu hören sind, aus Ägypten mitgebracht?

Dirk Schlömer: Vieles. Über den Kirchenchor hatten wir ja gesprochen. Die Sprachsamples sind zum großen Teil während der Drehpausen entstanden, Schauspieler, Regisseur, Kamerateam, alle sind zu hören. Manches wurde auch beim Streunen durch den täglichen Wahnsinn von Kairo mitgeschnitten. Oder aus dem Fenster unserer Wohnung. Gar nicht immer einfach, denn es ist unfassbar laut dort und das sage ich als jemand, der in Kreuzberg, am Mariannenplatz wohnt!

 

Dub-Aroma of the season: Spring 2009 - http://dub-o-rama.de

 

 

 

Take Time Out - VÖ: 19.07.2007, Herzberg Verlag/In-Akustik

 

PHANTASTISCHE STADTFLUCHTEN

ORNAH-MENTAL NEHMEN SICH DIE FREIHEIT, VERTRAUTES MIT UNBEKANNTEM ZU VERQUICKEN

Live präsentieren sich Ornah-Mental stets als Team, doch eigentlich sind sie das Alter-Ego Projekt von Mastermind und Wahl-Berliner Dirk Schlömer. Einst begann er als Gitarrist und spielte unter anderem für zwei Jahre bei Ton Steine Scherben, doch ob seiner Begeisterung für Komposition, Keyboards und Produktion spielte er seine Projekte zunehmend in Eigenregie ein. Bei der DarkWave-Band Das Zeichen und bei Neues Glas aus alten Scherben ist er beteiligt, Ornah-Mental hingegen ist für ihn Hobby, Therapie, musikalisches Reisetagebuch und Experimentierfeld mit artistischen Spannungsbögen zwischen Orient und Okzident, Ambient und Dub, Gitarre und Keyboards.  

Ornah-Mentals aktuelle, dritte LP "take time out" weist nach zwei eher orientalisch beeinflussten Veröffentlichungen eine mediterrane Grundstimmung auf - Ergebnis eines mehrwöchigen Musik-Stipendiums in Spanien. Dirk Schlömer erinnert sich: ?Bereits die ersten Titel für dieses Album hatten diesen mediterranen Anspruch, und gestärkt von vier Wochen unter der spanischen Sonne war für mich die Richtung noch klarer: das ganze Album in diesem südländischen Sound zu produzieren, die akustische Gitarre nach vorne zu stellen, kürzere Stücke zu bevorzugen."
Neben solch warmen Ambient-Sounds und einigem karibischem Appeal zum Ende des Albums hin stehen auch drei Stücke mit deutschen Texten auf dem Album, kleine Arbeiten, die mit Neuer Deutscher Welle oder Rap kokettieren, verhaltene Gemahnungen an die Unwirtlichkeit unserer Städte und Beziehungen. So ist ?take time out' nicht nur Einladung, sondern auch Empfehlung, sich nicht völlig Verpflichtungen unterzuordnen, sondern sein Leben selbstbewusst zu prägen. Schlömer: 'Take time out' ist als Forderung aufs Leben übertragen eigentlich ziemlich radikal. Wirklich mal die Finger zu lassen von dem üblichen Tagesablauf, von dem Selbstverständnis, dass ja nun mal jeder von sich hat, um die Dinge auf sich zukommen zu lassen, dass wünschen sich die meisten Menschen, aber vielen fehlt doch der Mut, wie eben vielen verantwortungsvollen Familienmenschen, die einfach keinen Weg raus aus dem Hamsterrad sehen."

Schlömer ist sich bewusst, dass er als unabhängiger Musiker viel von der Freiheit besitzt, sein Leben selbst zu bestimmen. Entsprechend erdet er die Ambient- und Trance-Ausflüge manch seiner Stücke auf seinen Platten mit musikalischen Elementen aus urban geprägter Elektronik-Musik, seine Einspielungen sind rhythmischer als übliche Ambient-Handelsware. Dazu trägt freilich Ornah-Mentals Perkussionist Carsten Agthe seinen Teil zu bei. Weitere Mitstreiter des Projektes sind Martina Grünewald, zuständig für das visuelle Live-Programm und grafische Gestaltung, Leander Reininghaus an der Gitarre und neu dabei ist Kemal Kahraman (saz, perc). Einen Live-Auftritt von Ornah-Mental, die gegenwärtig in Ägypten unterwegs sind, sollte man sich von daher nicht entgehen lassen.

Melodie und Rhythmus 12/07

 

 

Mit Spannung legte ich die neue Produktion der Ausnahme-Combo Ornah-Mental in die Ladeluke meines CD-Players. Take Time Out - so der Titel des dritten Ornah-Mental Opus ist weniger von orientalischen Einflüssen geprägt als seine Vorgänger-Produktion. Im Vordergrund stehen wunderbar eingespielte mediterrane elektro-akustische Sounds, die sich in den schillernden Facetten von Flamenco über Jazz bis Funk zeigen. Und all dies innerhalb der magischen Klangwelt des Trios, mit einer für die Band typischen ordentlichen Portion Psychedelic gewürzt, was die spezifische Mystik aller ihrer Werke ausmacht.

Mastermind Dirk Schlömer setzt in zwei Stücken der CD den Gesang mehr als gewohnt in den Vordergrund, und sofort wird eine Assoziation zur Kult-Band ?Ton Steine Scherben" - denen Schlömer angehörte und denen er hiermit Tribut zollt - wach. Die Texte sind intelligent-witzig, aber nie platt, nachdenklich, aber ohne moralisierenden Weltverbesserungs-Zeigefinger.

Die unvergleichliche mystische Klangwelt Ornah-Mentals und die farbige Kreativität ihrer Songs setzen sich wohltuend von vielen aktuellen Mainstream-Produktionen ab, obgleich der ein oder andere Song der Produktion "Ohrwurm"-Qualitäten hat (wie u.a. Schlusswerk "Lamento").

Musikrichtung: Dub, Lounge, Ambient

Musik an sich / Katja Metz

http://musikansich.de/ausgaben/0907/reviews/w_ornah-mental.html

 

 

Ornah-Mental, Taqke Time Out: CD der Woche (16.7.-22.7.07)

Dirk Schlömer (guitar, keyboards, vocal) - Musiker seit 1980 - einst Gitarrist bei Ton Steine Scherben sowie bei Neues Glas aus alten Scherben, Mastermind zahlreicher Space und Tranceprojekte wie z. B. Das Zeichen, Zeitreiser und Stella Maris, ist bei Ornah-Mental Initiator und Hauptakteur. Als Gitarrist, Produzent und Komponist mit 25-jähriger Studioerfahrung in den besten Häusern u. a. Hansa, EMI und Peter Gabriel´s Real World, kann er auf eine große Anzahl veröffentlichter CDs und Konzerte seiner verschiedenartigen Projekte zurückblicken. Bei Ornah-Mental stellt er die vielen Ausdrucksmöglichkeiten seines Gitarrenspiels in den märchenhaften Kontext der Orientalischen und Dub-Musik. Zusammen mit Leander Reininghaus (guitar, vocal), Schüler von Robert Fripp (King Crimson, der u.a. mit Charlie Mariano, Roland Schaeffer (Guru Guru) und der Worldmusic-Band Moka Efti zusammenarbeitete, bildet er den Kern des Live-(B)unternehmens Ornah-Mental. In der "Club"-Besetzung spielen diese beiden Virtuosen sich gegenseitig die Bälle zu. Unterstützt werden sie hierbei von Tapes und Loops die sie jeden Abend zu neuen Mustern verknüpfen. Beim Dialog zwischen Mensch und Maschine stehen bei Ornah-Mental immer die Menschen im Vordergrund, denn Spontanität und Spielfreude sowie Kontakt zum Publikum sind die vornehmlichen Anliegen von Dirk und Leander. Begleitet werden sie von Photgraphin und Videokünstlerin Martina Grünewald, die mit visuellen Installationen den klanglichen Teppich sichtbar abheben läßt, den Raum mit Strukturen und modernen Mandalas erweitert. Ergänzt wird diese Stammbesetzung bei vielen Events durch Carsten Agthe (percussion, gongs, didge), den Dirk von seiner Dark-Ethno Band Das Zeichen mitgebracht hat, als Journalist Fachmann für Grenzmusik aller Couleur, sowie Timothy Campling (sitar, esaraja, guitar), aus Wales stammender Gitarrist mit Studium in Paris, der sich in den letzten Jahren zu einem Spezialisten für klassische indische Instrumente wie Sitar oder Esaraja entwickelt hat. Beim Live-Debüt am 31.07.2004 im Neuen Lustgarten in Potsdam anläßlich des Festivals "Europäische Berührungen - One World Potsdam" (siehe Foto oben) brillierte zudem Marlon Klein (Die Dissidenten, Pili Pili, Missus Beastly) am Schlagzeug. Sind auf der Debüt-CD Ornah-Mental "A to Z" (African Dance Records ADR 011-02) und dem nun erschienenem Zweitling "Testimony" (QuiXote Music GOOD10005-2) die Einflüsse der verschiedenen Kulturen eher minimalistisch eingesetzt, darf man bei Ornah-Mental LIVE immer mehr als gespannt sein, wie dieses (B)unternehmen den ´Fliegenden Teppich´ für uns weben wird. Die enorme Erfahrung und ungewöhnliche Vielseitigkeit der Akteure garantiert ungebremste Spielfreude mit ganz viel Herzblut.

http://www.rockradio.de

 

 

Natürlich wird man als Schreiberling auf der Suche nach neuen Bands und Eindrücken hellhörig, wenn man etwas von orientalischen, experimentellen Ansätzen, sowie elektro-akustischen Sounds liest, zudem auf eine Band stößt, die beim Herzberg Label unter Vertrag steht, was ebenfalls für eine gewisse Qualität und stilistische Orientierung spricht. Doch dummerweise weichen hier eine offensichtlich falsche Erwartungshaltung und das reale Musikerlebnis sehr stark voneinander ab, was nicht unbedingt mit der musikalischen Qualität von Ornah-Mental zusammenhängt.

Denn entgegen irgendwelcher 70s Sounds und treibenden Beats bzw. Verbindungen zu Bands wie Ozric Tentacles oder Ole Lukkoye, bekommt man hier vielmehr aktuelle, globale Sounds und Beats, Dub und Pop-Einflüsse, sowie zum Teil deutsche Texte geboten, die zwar nicht enttäuschen, aber über weite Teile rein gar nichts mit dem zu tun haben, was sich ansonsten in diesem Heft tummelt. Deswegen sei hier wieder mal auf die myspace Seite der Band verwiesen (http://www.myspace.com/ornahmental), wo man recht einfach seine eigenen musikalischen Vorlieben testen kann.

Kristian Selm

http://www.progressive-newsletter.de

 

 

Nach der recht orientalischen Gestimmtheit der Vorgängeralben führt die dritte LP von ORNAH-MENTAL hin zu mehrheitlich mediterranen, gegen Ende auch zu karibischen Ambient-Sounds - inklusive von leichter Hand verwobener Dubs.

Die musikalischen Reizkulturen auf 'take time out' sind einmal mehr faszinierend, elegant und zärtlich wie von ORNAH-MENTAL gewohnt: 'Elevando' und 'la porta d'Entrar' wären  vorzügliche Beiträge zu einem 'Cafe del Mar'-Sampler, eine gute Handvoll der Tracks ist entsprechend getunt. 

Es wäre aber nicht DIRK SCHLÖMER, wenn in 'take time out' nicht auch schemenhaft banale Kulturkritik einflösse, wie im sanften Hippie-Rap 'piece for peace' oder die "Kehrseite" von Berlin 'Hauptstadt verkehrt/keiner der kehrt' in 'berlin attention'. Beide Tracks sind textlich so überzeugend wie das eigene Fenster vor einem allzu lauten Straßenlärm zu schließen, um den 'visions of paradise' (ein weiterer Tracktitel) zu frönen.

Insgesamt aber ist 'take time out' ein zur Meditation einladendes Album geworden, auf dem SCHLÖMER gegen Ende die Gitarre auspackt und auf 'samba-manie' in Anlehnung an 'samba-pa-thi' auch mal den SANTANA rauslässt. Musikalisch ausgereift, verweigert sich 'take time out' eigensinnig gegenwärtigen Trends, besonders anschaulich im Titeltrack und vergleichbar etwa einem handgeformten T, mit dem Sportler und Trainer in manchen Sportarten Pausen einfordern. 

BG

http://dub-o-rama.de/dub-o-rama-summer2007.htm

 

 

Testimony - VÖ: 06.09.2004, QuiXote Music/ZYX

 

Meine Güte. Da hat mir Quixote-Music mal wieder eine ganz harte Nuss zum knacken gegeben. Ornah-Mental besteht zu allererst aus Dirk Schlömer (den der eine oder andere vielleicht noch als Gitarrist von 'Ton Steine Scherben' kennt), der allerdings neben der Gitarre noch Keyboards, Loops und seine Stimme verwendet. Als Percussionist wurde Carsten Agthe verpflichtet und er bedient neben den bekannten Sachen wie Congas und Cymbals auch so merkwürdige Dinge wie Darabouka und Djembe. Sitar und Dilruba werden von dem waliser Musiker Timothy Campling bedient und Dirk Schlömers Tochter Maria Ledwoch steuert auf einem Song noch ihre Stimme bei. Sonny Thet schließlich ist dann noch bei dem Track 'Cara-Wahn' mit dem Cello zu hören. Ich habe lange in meinem CD-Sammelsurium gesucht, um vielleicht etwas ähnliches / vergleichbares zu Ornah-Mentals 'Testimony' (übrigens nach 'A to Z' bereits die zweite CD) zu finden. Aber das war äußerst schwierig. Am Besten ist vielleicht noch folgende Beschreibung: Man nehme eine CD im Stile von 'The harlequin - the robot and the ballet-dancer' von Alt-Techno-Ikone Sven Väth auf halber bis dreiviertel Geschwindigkeit (Song 1 'Redemption Dub' ... und bei diesem Lied wartet man auch immer auf das Einsetzen des Gesanges von Grace Jones), ersetze das Väth'sche Keyboard-Gedudel durch orientalische Instrumente (z.B. bei 'Bliss No. 9 oder dem 17-minütigen 'Come With Me'), oder durch ein Cello ('Cara-Wahn', das dann so klingt wie die schweizer Band 'Apokatastasia' gepaart mit Anleihen an Mike Oldfield) und fertig ist die Musik von 'Ornah-Mental'. Alles klar? Kurz gesagt: Wer mit entschleunigten elektronischen Loops als Grundthema, angereichert mit einigen orientalischen 'Naturinstrumenten' was anfangen kann, sollte 'Testimony' von 'Ornah-Mental' mal antesten. Für mich auf jeden Fall eine - wenn auch etwas gewöhnungsbedürftige - tolle Mucke zum relaxen.

Prog Rock (online)

http://www.prog-rock.info

 

 

ORNAH-MENTAL ist das Projekt des Gitarristen DIRK SCHLÖMER, der in den 1980er Jahren Gitarrist bei den TON STEINE SCHERBEN war und danach einige Space- und Tranceprojekte startete (DAS ZEICHEN, ZEITREISER, STELLA MARIS u.a.). 'Testimony' ist eine recht esoterisch angehauchte Platte, fast Filmmusik, vielleicht für einen Roadmovie in der Spannung von Orient und Okzident. 'Redemption dub' eröffnet die Platte souverän und konzentriert: Taucht da aus unvermuteter Nische ein Dub-Album in die Öffentlichkeit ein? Ein dub-freudiger Mix gefällt auf gut der Hälfte der neun Songs. Der insgesamt esoterisch-verträumte, ein wenig hippieske Geist von 'testimony' hingegen hat seine Wurzeln im Kraut- und Jazzrock der 1970er Jahre. SCHLÖMER startete bei TSS, die damals auf Schneeball Records, den ersten deutschen Indie-Label überhaupt waren. Seine Gitarre klingt im Sound sehr nach STEVE HILLAGE, der bereits in den späten 1970ern esoterisch-angehauchte (Rock)-Musik machte und Mitte der 1980er als Musiker wie Produzent den Dub als Stilmittel für sich entdeckte. Insgesamt ist die erste Hälfte von 'testimony' songorientierter. 'Babylon playground' lässt Vergleiche mit den vom Blues bestimmten Dub-Experimenten von LITTLE AXE zu, 'cara-wahn' mit seiner betörend schönen, orientalisch gestimmten Melodieführung ist eine sehnsüchtige psychedelische Pop-Perle, der Titelsong zieht unbeirrt als funky Karawane voll musikalischen Bildreichtums vorüber. Die zweite Hälfte ist stärker von einem improvisierenden Geist beeinflusst, der gelegentlich sowohl an das Weihevolle der POPOL VUH (bekannt aus den Filmen von WERNER HERZOG) wie an die Musik der orientalisch angehauchten DISSIDENTEN erinnert, bei denen exotische Instrumente wie Sitar zum Einsatz kommen. Insgesamt ist 'testimony' von ungemein zärtlichen Arrangements, Klangfarben und Stimmungen durchwirkt. Das Unternehmen, impressionistische Styles aus dem Bereich 'Grenzmusik' in zeitgenössischer, bestens produzierter Soundgestaltung mit Dub zu verbinden, ist vorzüglich gelungen.

http://www.dub-o-rama.de

 

 

Ornah-Mental ist ein weiteres Projekt, mit dem Dirk Schlömer (Das Zeichen, Neues Glas aus alten Scherben), seine vielschichtigen musikalischen Ideen umsetzen kann. Carsten Agthe (perc), Timothy Campling (sitar, dilruba) und Maria Ledwoch (voc), sowie Sonny Thet (cello) sind diesmal seine Mitstreiter, wenn es darum geht, dem musikalischen Einheitsbrei eine Alternative entgegenzusetzen. Schon das kunstvoll gestaltete Booklet mit Textzitaten drückt eine Sehnsucht nach dem Anderen aus – Entschleunigung statt Wettbewerb, Natur innerhalb der Betonwüsten und Lebendigkeit an Stelle von Erstarrung in geregelten “Lauf”-Bahnen. Wäre der Begriff “New Age” als Musikstil nicht so negativ belegt (man denke nur an solche Auswüchse wie: “Chakra-Meditation” mit Synthesizer-Paul), könnte dieser durchaus als eine Kurzbeschreibung der Intention Ornah-Mentals herangezogen werden, denn neue Wege zu beschreiten, ist eins der Anliegen der Musiker. Die Grundlage der meisten Tracks bilden Loops, die aber durch Live-Percussion und zusätzliche Naturinstrumente sehr lebendig klingen, und überhaupt keine technische Ausrichtung haben. Wie von Schlömer gewohnt liegt der Tenor des Albums in dem Facettenreichtum – düstere und provokante Soundscapes (Babylon Playground) werden durch wohltuende Klangmassagen (Driving Into Dawn) relativiert, hynotische, “ornahmentalische” Soundscapes (And At the Speed Of Light) bereiten den Hörer auf offene, sehnsuchtsvolle Stimmungen (Come With Me) vor. “Testimony” überzeugt durch die unterschiedlichsten Dimensionen, die verschiedenste emotionale Seiten ansprechen – und auch zu einer Traumreise verführen.

Alan Tepper – Eclipsed 09/2004

http://www.eclipsed.de


ECLIPSED - Music From Time And Space
Vol. 11 im Heft 10/2004

Cara-Wahn (Part 1) (5.13)

Ein fliegender Teppich stellt die Verbindung zwischen Berlin und dem Rest der Welt her - Dirk Schlömer gehört zu den Reisenden, die überall eine Inspiration finden, und dies ist auch in der Farbe und Vielfalt der Musik "wahr-zu-nehmen". Ein Trip in die Weite der Gefühle!

http://www.eclipsed.de/magazin/aktuell_cd.html

 

 

Zeichen, so Dirk Schlömer, weisen den Weg. Als DAS letzte ZEICHEN erreicht war, wies es in Richtung ORNAH-MENTAL. Das Zeichen war in den letzten fünf Jahren das zentrale Projekt des einstigen Live-Gitarristen von Rio Reisers Ton, Steine, Scherben. Nach drei beachtlichen, d.h. hier Zeichen-setzenden Studio-Alben, mehreren Touren und zahlreichen Festivalteilnahmen konzentriert sich der in Berlin lebende Musiker und Produzent Dirk Schlömer – der zuletzt auch mit der Band „Neues Glas (aus alten Scherben)“ die Reiser-Fans aller Generationen zu begeistern wußte – nun ganz auf sein Projekt Ornah-Mental, dessen zweite Veröffentlichung jetzt mit „Testimony“ vorliegt. „Redemption Dub“ und „Babylon Playground“, die beiden ersten Stücke der CD, verbinden satten synthetischen Groove mit – ja, man muß es so sagen – dem unverkennbaren Gitarrensound Schlömers. Das Instrumental „Cara-Wahn (Part 1)“ wiederum sollte für ein Sinfonieorchester arrangiert und von Ornah-Mental gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern interpretiert werden. Auch das gedubte Titelstück, den Filmproduzenten in Babelsberg als Soundtrack wärmstens zu empfehlen, bekommt seinen individuellen Thrill durch die Gitarre von Dirk Schlömer, die bis in die Siebziger zurückzuhallen scheint. In den angenehmen Chillout-Rhythmus fügt sich auch „And the Speed of Light“ hervorragend und in dem Wissen ein, daß, selbst wenn sich der Mensch mit Lichtgeschwindigkeit fortbewegen könnte, rein nichts gewonnen wäre, weil wir der logisch unfaßbar bleibenden Unendlichkeit nicht entfliehen können – oder aber klaustrophobische Anfälle bekämen, würden wir tatsächlich feststellen müssen, das selbst dem Universum Grenzen gesetzt sind. Dann schon lieber die Gewißheit unserer begrenzten Beweglichkeit, die dank der Kompositionen von Ornah-Mental ganz ohne Lichtgeschwindigkeit im Bewußtsein raumgreifend wirkt. Auf „Bliss No. 9“, dem sechsten Stück, bewegt sich eine von Timothy Campling (einer von drei Gastmusikern neben Maria Ledwoch, Gesang auf Stück 7, und Sonny Thet, Cello bei Stück 3) gespielte Sitar feinfühlig in den von Gitarre, Loops und Percussions (letztere von Carsten Agthe, Mitstreiter aus frühesten Zeichen-Tagen) gelegten Spuren. Die Laufzeit heißt hier übrigens „Totalpleasuretime“ und bringt es auf hörerfreundliche 72 Minuten. Das Album „Testimony“ ist Musik zum Runterschalten, zum Auftanken, zum Autofahren (vgl. Stück 7: „Driving into dawn“). Alltag raus, Ornah-Mental rein! Der abschließenden Aufforderung „Come with me“ folgt man deshalb nur allzugern und stellt die neue CD kurzerhand auf repeat. Waren wir zunächst enttäuscht, als nach drei wegweisenden Alben das Ende von Das Zeichen verkündet wurde, freuen wir uns umso mehr über das zweite Studio-Album von Ornah-Mental. Zeichen und Wunder auch hier, die demnächst auch live erlebt werden können, denn die Formation hat eine Tour für das nächste Frühjahr angekündigt. Das Kaichen

Schellack 04/2004

 

 

Ornah-Mental ist ein Projekt von Dirk Schlömer (g, vox, loops, key), der ansonsten von Das Zeichen bekannt ist, bei Ton Steine Scherben und Neues Glas aus alten Scherben spielte und in etliche Projekte (vor allem Space und Trance) involviert war: Zeitreiser, Stella Maris und andere. Carsten Agthe (darabouka, djembe, congas, cymbals), Timothy Campling (sitar, dilruba), Dirks Tochter Maria Ledwoch (vox) und der Kopf von Bayon, Sonny Thet (cello) sind die weiteren involvierten Musiker. "Testimony" ist ein vor allem instrumental orientiertes Psychedelic Dance Album. Lässige Grooves, blubbernde Electronica und ein sehr entspanntes Klima sind Augenmerk der 9 Songs, die schon mal über 17 Minuten lang sein können. Ornah-Mental widmet sich vor allem dem Klang. Dem Klang verschiedener Sounds, Stimmungen, Geräusche, Rhythmen. Die ungewöhnlichen, angenehmen Arrangements fließen entspannt dahin und lassen Zeit und Realität weit hinter sich. Psychedelic Freaks werden auch nicken, wenn sie den Spruch auf der ersten Innenseite des Booklets lesen und sich eins fühlen mit Welt, Universum und Dirk Schlömer. Höhepunkte sind hier nicht auszumachen, darauf kommt es auch nicht an. Es gibt keine komplexen Materialschlachten, sondern lediglich einen Soundmix, der anregen und gut bekommen soll. Das tut nicht weh, wirkt auch nicht wirklich belanglos, aber geht doch seltsam an meiner Aufmerksamkeit vorbei. Wohl der falsche Ansatz, sich den Stücken zu nähern. Kopf aus, Licht aus, Musik laut und entschweben. So wird es wohl funktionieren. VM

Ragazzi (Online)

http://ragazzi-music.de/ornahmental04.htm

 

 

 

A to Z - VÖ: 2001, African Dance Records

Hinter dem Namen mit der tiefsinnigen Doppeldeutung verbirgt sich der ehemalige TON STEINE SCHERBEN Gitarrist und jetzige Produzent/Gitarrist von NEUES GLAS AUS ALTEN SCHERBEN Dirk Schlömer, der sich auf dieser Veröffentlichung allerdings eher den Samplern und Synthesizern widmet. Eine "einzigartige musikalische Fusion aus Downbeat und Dub" verspricht das Info zur CD, und erzählt noch die mystische Geschichte, die die 11 Tracks inhaltlich miteinander verbindet. Auf seiner spirituellen Reise vermischen sich Ethnoklänge, mal afrikanisch, mal aus dem vorderen Orient und mal indisch angehaucht, mit der neuesten Elektronikmusik. Heraus kommt etwas, das sowohl mystisch wie spirituell als auch esoterisch klingt, und doch hat es manchmal den Eindruck als wäre alles nur Soundtrack-Musik. Wie zum Beispiel bei "Wape-Heh", der sich verdächtig nach der Titelmusik von "Die Zwei" anhört, ihr wißt schon, die englische Fernsehserie aus den 70er mit Tony Curtis und Roger Moore in den Hauptrollen, die meist in Kabel 1 wiederholt wird. ORNAH-MENTAL bzw. Dirk Schlömer hat durchaus die Chance der neue JEAN-MICHEL JARRE des 21. Jahrhunderts zu werden.

Wlektrolurch (Smilo)   15. Oktober 2001

http://www.elektrolurch.com/kritik/detail_420.html

 

 

Nachdem die Hypnotix den Weg in Richtung Dub wiesen, erscheint bei African Dance Records mit ?A to Z" ein Dubalbum von Ornah-Mental. Hinter diesem Namen verbirgt sich, man höre und staune, Dirk Schlömer. Und wem der Name so jetzt nix sagt, der möge auf seinen alten Ton Steine Scherben-Platten (so hoffentlich vorhanden) einmal nachgucken: Dirk Schlömer betätigte sich dort an der Gitarre. Schon ulkig, wer über kurz oder lang den Weg zum Dub findet. Doch sei gleich gesagt, dass es sich hier nicht um Dub inna Roots-Tradition oder NeoDub a la Bush Chemists oder Iration Steppas handelt - auch wenn ?Club of Dub" hier eine kleine Ausnahme darstellt. Dirk Schlömer entwirft vielmehr ruhige Soundscapes mit komplexen Strukturen. Um es anschaulicher zu machen, soll hier aus der Produktinfo des Labels zitiert werden: ?Relaxte Drumloops, eingängige Basslines, harmonische Flächen und ganz oben (...) schwebt Dirk Schlömers effektverzierte Gitarre wie eine Möwe über dem weiten Meer". Den leicht esoterisch-ethnologischen Touch der Kompositionen verraten Titel, wie z.B. ?Arupa", ?Wape-He" und ?Ornah-Mynth". Gelegentlich hätten die Stücke 2-3 Minuten kürzer sein können! Meine Favorit ist das dubbige und sich nach und nach steigernde ?Club of Dub".

Raggae, Ska, Dub & Dancehall Online Mag irieites / Karsten Frehe

http://www.irieites.de/pkritiken/ornahamental.htm

 

 

Ornah-Mental, ein Projekt des Ex-Ton Steine Scherben und Das Zeichen-Musikers Dirk Schlömer, fangen da an, wo die späten Kastrierten Philosophen aufgehört haben. Das Album ist dabei quasi-instrumental, d.h. Schlömer spricht hier und da ein wenig in die Songs hinein, was eher lautmalerische Wirkung hat. Hierdurch verstärkt sich der meditative Charakter der Musik noch einmal.

Der Sound des Albums - Space Dub - ist elektronisch-schwebend, durchwebt mit afrikanisch-orientalen Klängen und einer atmosphärischen Gitarre obendrauf. Unterlegt wird der variationsreiche Mix durch synthetische, reggaeinspirierte Rhythmen. Damit steht Ornah-Mental in der Traditionslinie von Ethno-Kraut-Pionieren wie Embryo oder den Dissidenten.

Der Musik zu lauschen ist wie eine relaxt groovende Reise auf einem fliegenden Teppich zu den Märchen aus 1001-Nacht. Eignet sich prächtig zur Entspannung oder zum freien Fluss des Geistes.

Stil: Ambient; Krautrock; Moderne Electronica; Psychedelic; Worldmusic/Ethno

Durchschnittswertung: 11/15

Christian Rode - 2001

http://www.babyblaue-seiten.de

 

 

Wer sich auf die Suche nach dem Sound begibt, der Afrika mit der Westlichen Welt verbindet, liegt hier falsch. Auch wenn das Label, auf dem "A To Z" von Orna Mental alias Dirk Schlömer (ehemals Gitarrist von Ton Steine Scherben) erschienen ist, den schwungvollen Namen African Dance trägt, ist der Sound, den Orna Mental macht wenig afrikanisch. Sicherlich finden wir einige Samples, die eine Assoziation in Richtung des Schwarzen Kontinents zulassen, aber im eigentlichen befinden wir uns hier im sphärischen, und nicht im erdverbundenen Mentalbereich. "A To Z" ist sinnvollerweise als ein Trip zu bezeichnen, der uns durch eine Röhre von einem Punkt eines Universums zum nächstgelegenen Shuttlehalteplatz und darüber hinaus zu einem der Umsteigplätze für Spacegrayhounds verfrachtet. Dabei bleibt die Reisespannung gelegentlich in zu langen Loopschleifen hängen und - wie sollte es auf einer Busreise auch anders sein, man hat manchmal einfach das Gefühl, dass es Zeit wird, an einer Raststätte halt zu machen, um die Blase zu entleeren. Ist man an einer solchen angekommen, findet man diverse fliegende Händler, die einem verschiedenartigste Teppiche und Decken, die in etwa das Erscheinungsbild des mitgelieferten CD-Covers aufweisen, anzudrehen versuchen. Und der Busfahrer ruft schon wieder zum Aufbruch - sorry, ich muß weg!

Carsten Bäumer

http://www.discover.de

 

 

Dirk Schlömer hat schon wieder ein neues Projekt angefangen. Ornah-Mental wirft mit Space-Dubstückchen nur so um sich. Schon das erste Stück Arupa ist schwer zu beschreiben. So eine Melange aus Ethno, Dub, Psycho und so weiter.

Auch bei den anderen Stücken wandelt er geschickt zwischen den Stilen. Es will mir einfach nicht gelingen das Gehörte und das Gefühlte in Worte zu fassen. Manchmal fangen Stücke relativ normal an, mit der Gitarre etwa, doch dann verlieren sich Rhythmus und Melodie in der unendlichen Weite der Soundmöglichkeiten.

Ornah-Mental ist wie ein Film der aus lauter Schnipseln besteht, keine Handlung im eigentlichen Sinne erzählt und doch am Ende ein Gefühl hinterlässt mit dem man sich noch lange beschäftigt. Selbst Titel mit scheinbar klaren Aussagen wie etwa Club Of Dub beginnen unzweifelhaft und rieseln dann wie Sand zwischen den doch festhalten wollenden Händen hindurch. Das macht Dirk so leicht keiner nach.

Fazit: Verwirrend!

German Rock / Kurt Mitzkatis

http://www.germanrock.de/zeitung/z15/cd_kritiken.htm